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Eine Reise nach Zegyé Pennisula, auf der Suche nach Kaffeeraritäten – Tagebuch von Melat und Dario

In den vergangenen Jahren haben wir mehrere Exkursionen nach Äthiopien unternommen mit dem Ziel, Kaffeewälder mit seltenen Sorten zu entdecken und Kontakte zu Kaffeebauern zu knüpfen. Am 11. September 2019 brachen wir zu einer Reise auf die Halbinsel Zegyé im nördlichen Teil Äthiopiens auf.

In Begleitung unseres Gastgebers Samuel und des Bootsführers, fuhren wir mit einem kleinen Boot zur Halbinsel, welche wir nach einer 40-minütigen Fahrt auf dem wunderschönen See Tana, der Quelle des Blauen Nils, erreichten. Auf der Halbinsel befinden sich die berühmten sechs Klosterkirchen aus dem 14. – 17. Jahrhundert. Gleich bei unserer Ankunft tauchten wir auf schmalen, nassen und felsigen Pfaden in die Kaffeewälder ein. Grosse Baumriesen zwischen dem Vulkangestein und nach Licht lechzende Kaffeesträucher wechselten sich mit den beeindruckenden Klosterkirchen und weit verstreuten Wohnhäusern ab. Staunend betrachteten wir faszinierende Schmetterlinge in prächtigen Farben, die sich inmitten eines betörenden Lichtspiels zwischen mächtigen Baumkronen und weit gespannten Spinnennetzen tummelten. Scheu folgten uns die Blicke von Kindern und ab und zu hörten wir das bekannte Wort «Ferenji», welches natürlich mir dem Fremden galt. Zwischen den Klostermauern und den schattenspendenden Bäumen sahen wir ins Gebet versunkene Gläubige und ab und zu huschten Mönche in ihren langen Gewändern vorbei. Urplötzlich wurde unser Staunen durch die Anwesenheit angriffslustiger Waldameisen gestört und halb tanzend eilten wir weiter und versuchten unsere Füsse von den lästigen Viechern zu befreien. Unverhofft standen wir vor Samuels Elternhaus, wo wir von seiner Schwester Mastewal und seiner Mutter herzlich begrüsst und anschliessend ins Innere des Hauses geleitet wurden. Staunend erblickten wir das grossräumige Wohnzimmer, die leuchtend grüne Bemalung der Wände, das frisch geschnittene und auf dem Boden verstreute Gras, wie auch die wohlgeformte tönerne Kaffeekanne, Jabena genannt, die elegant auf dem Kohlefeuer platziert war. Mit ihrer Gastfreundschaft gewannen sie im Nu unsere Herzen. Wir gingen davon aus, dass sich hier, anlässlich einer traditionellen äthiopischen Kaffeezeremonie,  alles um Kaffee drehen würde. Doch weit gefehlt. Der Tag unseres Besuches, der 11. September, war zugleich der Feiertag des äthiopischen Neujahrs und so warteten nebst dem Kaffee einige kulinarische Überraschungen auf uns. Zudem durften wir einzigartige Einblicke in das Leben der Kaffeebäuerinnen auf der Kloster-Halbinsel gewinnen. Gespannt hörten wir ihnen zu und erfuhren manch kulturelle Geheimnisse, welche selbst Äthiopiern aus anderen Landesteilen fremd sind. Natürlich waren unsere Gastgeber auch neugierig, etwas über das Leben und die Menschen in der Schweiz zu erfahren. Während wir uns austauschten, bereitete Mastewal den Kaffee zu. Auf dem Kohlefeuer begann sie die grünen, sonnengetrockneten Kaffeebohnen behutsam zu rösten. Langsam entfaltete sich ein herrliches Kaffeearoma und erfüllte den Raum. Wie es üblich ist, wurden die frisch   gerösteten Kaffeebohnen auf einem Holzbrettchen unter den Gästen herumgereicht und wir konnten so das herrliche Aroma der frischen Röstung einatmen. Anschliessend ging Mastewal mit den Kaffeebohnen nach draussen, um diese mit einer Mukatsha, einem traditionellen hölzernen Mörser und Stößel, zu mahlen. Das rhythmische Stampfen und Zerstossen des Kaffees hatte etwas Tranceartiges.

Während wir warteten, genossen wir die uns angebotenen Snacks wie das typische Sauerteigbrot und das Kolo (geröstete Getreidekörner). Mastewal begann nun mit der Zubereitung des frisch gemahlenen Kaffees in der Jabena auf dem Kohlefeuer. In Äthiopien ist Kaffee ein gesellschaftliches und zeremonielles Ereignis, das die Menschen zusammenbringt. Die Kombination von Kaffeebrauen auf dem Kohlefeuer, Verbrennen von Weihrauch und angenehmem Geplauder schuf eine besondere Atmosphäre in der grossen Wohnstube, die wir sehr genossen. Der Kaffee wurde uns in kleinen Kaffeetassen angeboten und die Zeremonie beinhaltete drei Ausschankrunden. Vom ersten starken bis hin zu einem sich immer mehr abschwächenden Kaffee in der dritten Runde, konnten wir die feinen Aromaunterschiede kosten. Nach den Feierlichkeiten führte uns unsere Gastgeberin nach draussen in den Hinterhof und den umliegenden Kaffeewald, den sie ihr Eigen nennen dürfen. Weiter draussen hat die Familie noch ein weiteres, relativ grosses Kaffeewaldstück.

Schnell konnten wir sehen, dass der hiesige Kaffeewald wenig gemeinsam hat mit den bekannten Kaffeeplantagen im Osten und Süden des Landes. Aber es besteht eine gewisse Ähnlichkeit mit den Kaffeeurwäldern der Kaffaregion im Südwesten des Landes. Äthiopien, insbesondere die Kaffaregion, ist die einzigartige Geburtsstätte des weltweiten Kaffeeanbaus und auch Namensgeber des uns bekannten Kaffees. Kein Wunder sind die äthiopischen Kaffeewälder ein Hort einer noch reich vorhandenen Biodiversität des Arabica Kaffees. Wir nehmen an, dass die Kombination des milden See Klimas mit dem organischen Boden wie auch dem hohen Grundwasserspiegel des Sees der Grund für den erdigen, milden Geschmack des Zegyé Kaffees sein könnte. Auf Zegyé sind die meisten Kaffeebauern Frauen, Kaffee ist hier Frauensache, das ist einzigartig im Vergleich zu anderen Landesteilen. Mastewal erklärte uns, dass die Kaffeeernte von Januar bis Februar erfolgt, wobei Regierungsbeamte ein Kommuniqué verschicken, wenn die Ernte beginnen kann. Der Sozialismus scheint hier bleibende Spuren hinterlassen zu haben. Kaffeeanbau bedeutet echte Handarbeit, wird doch jede Kaffeekirsche von Hand gepflückt und verlesen. Anschliessend folgt der traditionelle Prozess des Sonnentrocknens. Kein Wunder, hat dieser Biokaffee ein Vielfaches an Aromen, verglichen mit Industriekaffee! Bis zu unserem Kaffeegenuss zu Hause oder im Büro, im Café oder im Restaurant, steckt viel harte Arbeit in den einzelnen Arbeitsgängen der Kaffeeproduktion. Auf unserer Kaffeeentdeckungsreise wurde uns wieder einmal bewusst, wie wichtig es ist, dass die Kaffeebäuerinnen ihren Teil an unserem Genuss erhalten. Ein fairer Lohn für harte Arbeit ist daher in der Tat eine faire Tat. Dass dies Wirklichkeit wird, dafür setzen wir uns von Talem Coffee ein und produzieren einen köstlich fairen Kaffee, fair für alle Beteiligten.

 Als wir uns von Mastewal und ihrer Familie verabschiedeten, um in die Stadt Bahir Dar zurückzukehren, kauften wir unseren ersten Kaffee direkt von der Familie. Unsere Hoffnung ist es, dass diese Begegnung der Beginn einer hoffentlich echten Fair Trade Beziehung sein wird.

Auszug aus dem Tagebuch von Dario und Melat

PS. Übrigens: Zegyé Klosterkaffee wurde von der Kaffeerösterei Aster Bunna, insbesondere von Frau Kidist Sisay professionell geröstet. Wir wünschen Ihnen höchsten Kaffeegenuss!